Riesen-Tablet Samsung Galaxy NotePro 12.2 im Test

Riesen-Tablet Samsung Galaxy NotePro 12.2 im Test

Samsung hat mit dem Galaxy NotePro 12.2 auf der CES ein neues Tablet präsentiert, welches definitiv nicht für jeden geeignet ist. Es bietet nämlich als einer der ersten Android-Tablets ein 12,2 Zoll Display. Damit ist es nicht mehr ganz so handlich wie ein 7 oder 10 Zoll Modell, für Pro-User aber definitiv eine Überlegung wert. Warum ich aber auch mit diesem Gerät nicht zum Tablet-Nutzer werde, erfahrt ihr am Ende.

Quad-Core Prozessor, 2560×1600 Pixel Auflösung, 12.2 Zoll Display

Was die technischen Daten anbelangt ist man mit dem Galaxy Note 3 eigentlich gleich auf. Das NotePro 12.2 bietet in der LTE-Version denselben Snapdragon 800 Quad-Core Prozessor mit 2,3Ghz sowie 3GB Ram. In der WiFi Variante kommt ein Octa-Core Prozessor mit 4x 1,9Ghz und 4x 1,3Ghz zum Einsatz. In unserem Test werden wir uns allerdings auf die LTE-Version konzentrieren. Das Display löst mit 2560×1600 Pixeln auf und kommt nicht mit der AMOLED sondern Super Clear TFT Technik.

Die Kamera an der Rückseite löst mit 8 Megapixel auf und kommt mit LED-Blitz. Für Videochats (oder Selfies auf der Oscarverleihung) gibt es an der Front noch eine 2 Megapixel Kamera. Das Tablet hat Abmessungen von 295,6x204x7,95mm und ist damit so ziemlich genau so groß wie ein DinA4 Papier. Intern gibt es 32GB Speicherplatz, die aber ohne Probleme über eine microSD Karte (bis zu 64GB) erweitert werden kann.

Wlan (AC), GPS sowie LTE sind natürlich genau so verbaut wie Bluetooth 4.0, ein microUSB 3.0 Anschluss und Stereolautsprecher.

Optisch sehr an das Galaxy Note 3 angelehnt

Nicht nur bei den technischen Daten, sondern auch bei der Optik hat man sich stark an dem Galaxy Note 3 orientiert. Die Kunststoff-Rückseite in Leder-Optik hat Samsung beim Note 3 einst eingeführt und bringt sie nun in allerhand neue Geräte inklusive Ultrabooks und auch Tablets. Ansich ist das natürlich kein Fehler und relativ schick, die Seiten sind allerdings nach wie vor auch aus Plastik und sehen nur aus wie Alu. Samsung wird dies wohl auch so schnell nicht ändern, da sie schon seit mehreren Generationen mehr oder weniger erfolgreich damit sind. Mittig in der Rückseite ist dann noch die 8 Megapixel-Kamera inklusive Blitz verbaut.

Im Rahmen gibt es dann noch oben den Ein-/Ausschalter, daneben die Lautstärke-Wippe, mittig den Infrarot-Port, rechts den aus der Note-Serie bekannte S-Pen und darunter einer der Stereo-Lautsprecher – der andere befindet sich logischerweise direkt auf der anderen Seite. Rechts in der mitte gibt es außerdem den micro USB 3.0 Anschluss, den microSD Slot und micro Sim-Slot jeweils hinter einer Klappe. Unten und links befindet sich ansonsten nichts mehr. An der Front finden wir im Querformat mittig unter dem Display den Home-Button, links daneben die Taste für die Multitasking-Ansicht und rechts daneben die zurück-Taste. Oben in der Mitte das Samsung-Logo nebst der Frontkamera mit 2 Megapixel.

Allerhand Apps vorinstalliert

Wenn man das NotePro 12.2 nach den vielen Einrichtungs-Schritten dann mal in Betrieb genommen hat, springt einem zunächst mal der neue Launcher an. Dieser wurde von Samsung mit einer Kacheloptik ausgerüstet, die man nach seinen eigenen bedürfnissen anpassen kann. Für die Integration der Nachrichten ist im Hintergrund Flipboard verantwortlich, aber auch E-Mails, die Galerie, den Kalender, Musik und diverse soziale Netzwerke kann man als Kachel anzeigen lassen. Leider ist dies eben nur mit den Samsung-Apps möglich. Google Hangouts  und Gmail fehlen zum Beispiel, immerhin gibt es jedoch YouTube und Twitter. In meinem Test fand ich die Widgets aus diesem Grund nicht wirklich hilfreich. Wenn ich Nachrichten lesen will, mache ich dies meist auf voller Bildschirmgröße zum Beispiel in Feedly, E-Mails checke ich über Gmail und nutze dafür dann das “normale” Android-Widget. Schade ist, dass man auf jeden Fall einer der Samsung Widget-Seiten auf dem Display haben muss, leider kann man nämlich nicht alle davon entfernen.

Was die vorinstallierten Apps anbelangt findet man natürlich neben den nützlichen Dingen wie Dropbox (inklusive 50GB Speicherplatz für 2 Jahre), Twitter und Evernote, auch unnütze Bloatware wie Businessweek+, cewe Smartphoto, HRS Hotels oder eine NYTimes App. Wenn man allerdings mal einen Blick in die Samsung-Apps wirft, findet man zum Beispiel eine relativ ausgewachsene Office-Suite. Diese ist von Hersteller Hancom und umfasst einen Powerpoint-Klon, einen Excel-Klon sowie einen Word-Klon. Leider sind die Apps noch nicht vorinstalliert, immerhin sind sie aber kostenlos erhältlich. Damit kann man nicht nur entsprechende Dateien erstellen, sondern von unterwegs natürlich auch Änderungen durchführen.

Die Zauberei steckt im Stift

Sobald man den Stift aus dem Gehäuse nimmt, erhält man ein kleines Popup unten rechts mit den “S Pen-Befehlen”. Darüber hat man Zugriff auf die 5 wichtigsten Funktionen des S-Pens. Natürlich kann man diesen ganz normal als Finger-Ersatz nehmen, jedoch hat Samsung wie bei allen Note-Geräten ein paar nützliche Apps eingebaut. So kann man zum Beispiel direkt einen Notizzettel öffnen, der sich über die aktuelle Ansicht legt. Dort kann man dann ganz einfach mit dem Stift eine Notiz machen und diese anschließend speichern. Auch ist es möglich diese Notiz einfach im Vordergrund zu lassen während dem man sich mit anderen Dingen beschäftigt oder sie zu minimieren, wenn man gerade wieder mehr Platz auf dem Bildschirm braucht. Innerhalb der Aktionsmemo kann man dann auch noch den Text bzw. die Zahlen erkennen lassen. Hat man etwa schnell eine Telefonnummer aufschreiben müssen, kann man diese dann direkt als Nummer abspeichern. In meinen Tests fand die Erkennung immer sehr Präzise statt – obwohl die Notizen schnell geschrieben waren und ich nicht wirklich eine schönschreiber-Schrift habe.

Über die S-Pen Befehle ist es auch möglich einen Screenshot der aktuellen Ansicht zu machen und diesen dann direkt zu beschrieben. Dies kann entweder der komplette Bildschirm oder auch nur ein frei wählbarer Bereich sein. Wie man das von Samsung kennt hat man noch viele Auswahlmöglichkeiten, was die Stift-Art, die Dicke und die Farbe anbelangt. Sehr schön und intuitiv gelöst. Mit dem Icon ganz rechts in den S-Pen Befehlen ist es möglich eine App in einem bestimmten Auswahlbereich zu öffnen.

App in einem bestimmten Bereich öffnen

App in einem bestimmten Bereich öffnen

Diesen zeichnet man mit dem Stift und wählt anschließend die App. Auch hier kann man leider nicht alle auswählen, Gmail, der MXPlayer und natürlich die Standard Samsung-Apps können die Funktion bereits. Schön ist, dass nicht nur ein Fenster geht sondern so viele man eben möchte. YouTube, einen Taschenrechner und einen Browser parallel und als Fenster wie zum Beispiel in Windows oder OSX anzeigen lassen? Kein Problem.

Multitasking perfektioniert

Im vorigen Absatz habe ich schon ein paar Möglichkeiten des Multi-Taskings beschrieben, die ich bei einem Tablet mittlerweile als unerlässlich betrachte. Nun gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten. Samsung hat bereits seit dem Note 10.1, das 2012 in den Handel kam, den Multi-View Modus eingeführt. Mit dem NotePro 12.2 wird dies nun auf die Spitze getrieben. Man kann bis zu 4 Apps parallel und sinnvoll aufgeteilt auf ein mal betrachten. Möchte man zum Beispiel den Browser, den Taschenrechner, ein Notizfeld und eine Präsentation parallel betrachten?

Ganz einfach rechts vom Bildschirmrand nach innen wischen und eine App per Drag and Drop in das aktuelle Fenster ziehen. Anschließend die nächste App positionieren und über den blauen Button ganz einfach das Verhältnis der Apps ändern. Dazu den Button in eine beliebige Richtung ziehen und schon ändert sich die Größe der Fenster. Wenn man nur kurz auf den runden Button drückt, erhält man weitere Möglichkeiten. Hier kann man dann zum Beispiel ein Fenster schließen, die Fenster tauschen oder aber ein “normales” Fenster draus machen. Aber auch hier gilt leider: Die Sache funktioniert nur mit angepassten Apps. Gmail, Hangouts, Chrome und der MX Player sind ohne Probleme möglich, wer aber zum Beispiel gerne Google Keep verwendet (so wie ich) der schaut erst mal in die Röhre.

Performance Top, Kamera Flop

Was die Performance anbelangt kann man nicht meckern. Das hochauflösende 2560×1600 Display kann ordentlich von der Snapdragon 800 CPU befeuert werden. Manchmal bemerkt man kleinere Lags beim Öffnen verschiedener Apps, dies kann aber auch nur an der entsprechenden Software liegen. Generell hat man nämlich egal ob FullHD Video oder aufwändiges 3D-Game keine Verzögerungen gespürt. Natürlich haben wir auch ein paar Benchmarks durchgeführt, die ähnliches belegen. Hier liegt es je nach Test knapp über, manchmal auch knapp unter der Leistung des Galaxy Note 3.

Die 8 Megapixel-Kamera ist hingegen für solch ein teures Tablet ein schlechter Witz. Wenn die Bilder nicht enorm verrauscht sind, sind sie unscharf. Gute Bilder sind sehr schwierig zu machen und wenn dann überhaupt nur bei guten Lichtverhältnissen möglich.

Beispielbilder werden nachgereicht

Aber ehrlich gesagt: Wer macht mit einem Tablet schon ernsthaft Bilder oder gar Videos? Die Kamera sollte meiner Meinung nach wirklich nur für Videochats verwendet werden, unabhängig vom NotePro.

Testvideo

Fazit: Top Gesamtpaket für einen gesalzenen Preis

Alles in allem muss ich sagen, dass ich nicht wirklich der klassische Tablet-Nutzer bin. Ich habe ein Nexus 7 2013, das ich höchstens auf Reisen für einen Film verwende oder um ab und zu mal ein kleines Spiel zu spielen. Das NotePro 12.2 machte mich allerdings schon fast zu einem Tablet-Nutzer: Das Display ist groß, man hat ordentlich Multitasking-Funktionen und auch das Schreiben von längeren Texten mit Zehnfingersystem ist ohne Probleme möglich. Am Ende steht allerdings der Preis: Jenseits der 700€ liegt es nämlich aktuell, sodass man schon sehr abwägen muss. Holt man für den Preis lieber ein Ultrabook, das vielleicht etwas teurer ist aber dann auch ein vollwertiges Betriebssystem liefert? Diese Frage muss sich wohl jeder selbst stellen und sich fragen, für was er so ein Gerät braucht. Von meinem Standpunkt aus gesehen erhaltet ihr allerdings (mit kleineren oben beschriebenen Abstrichen) eine volle Kaufempfehlung für das NotePro 12.2.

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  • hastmeinwort

    Ich stimme Dir da voll zu, dieses Tablet ist nicht für jeden geeignet. Diese Größe hat schon ihr Gewicht und ist definitiv etwas unhandlich.

    Was aber ungeschlagen ist… Die Stiftbedienung.
    Ich persönlich kann z.B. während eines Meetings deutlich besser Dinge mitschreiben, wenn ich es handschriftlich mache. Eine Tastatur lenkt mich zu stark ab, so dass ich beim Mitschreiben nur noch die Hälfte mitbekomme. Früher musste ich dann nach dem Meeting alles noch in eine digitale Form bringen, was mir nun dank der hervorragenden Handschrifterkennung der Galaxy Notes erspart bleibt. Nun muss ich nur noch mein Gekritzel markieren, in Text umwandeln und vielleicht noch eine Spur nachformatieren. Alternativ habe ich das Surface 2 pro ausprobiert, welches wirklich auch nicht schlecht ist und schon fast den Heimrechner ersetzt, wenn man es zu Hause an eine gescheite Dockingstation anschließt. Aber an die Stiftbedienung des Samsung kommt es lange nicht heran.

    Nach etwas Eingewöhnung kann ich jetzt nur sagen, ich möchte mein “Riesentablet” nicht mehr missen. And der Kasse muss natürlich letztendlich jeder für sich entscheiden, was ihm die ein oder andere “Bequemlichkeit” wert ist ;)

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